Gemeinsame Stellungnahme aller deutschen Fanorganisationen

Genug ist genug? Richtungswechsel jetzt!

Die Ereignisse der letzten Tage zeigen: Keine Entwicklung im Fußball muss einfach hingenommen werden. Vereine und Verbände stehen dem Gebaren von sogenannten “Top-Clubs” nicht machtlos gegenüber. Erneut wurde die Reaktion von Fans in ganz Europa unterschätzt. Erstmalig schlossen sich auch Trainer:innen, Spieler:innen und Politiker:innen in dieser Intensität den Protesten an.

Doch die Super-League-Pläne waren nur die Spitze des Eisbergs. Die großmütigen Worte von UEFA, DFL, DFB und Vereinen lassen den Eindruck entstehen, als hätten sie schon immer die Werte des Sports verteidigt. Dabei sind sie es, die im gleichen Atemzug eine Reform der UEFA-Clubwettbewerbe beschlossen haben, in denen die sportliche Qualifikation außer Kraft gesetzt wird. Sie wollen die Regeln des Financial Fairplays aufweichen, statt es konsequenter anzuwenden. Sie haben in den letzten Jahren alle Maßnahmen für den Ausverkauf des Fußballs getroffen, statt einen sportlich fairen und integren Wettbewerb zu fördern. Sie sind in Korruptionsskandale verwickelt und klären diese nicht auf. Sie stellen Gewinnmaximierung in den Vordergrund, statt den Fußball gesellschaftlich zu verankern. Sie unterstützen die Profitgier Einzelner, statt gemeinsame Einnahmen gleichmäßiger zu verteilen.

Appell an alle Fans: Lasst Euch nicht blenden!

Wir rufen alle Fußballfans auf: Die Zeit für einen noch konsequenteren und lauteren Widerstand ist gekommen. Die Ereignisse der letzten Tage haben gezeigt, was möglich ist. Lasst Euch nicht blenden! FIFA, UEFA und die Nationalverbände sind nicht die Heilsbringer des Fußballs, die ihn vor dem Untergang gerettet haben. Vielmehr haben eben diese Verbände die Monopolstellung sogenannter Top-Clubs ermöglicht. Sie haben am Montag eine Reform beschlossen, in der die sportliche Qualifikation außer Kraft gesetzt wird. Sie verweigern seit Jahren eine gleichmäßigere Verteilung gemeinsamer Einnahmen und schrecken vor konsequenten Maßnahmen für Nachhaltigkeit im Fußball zurück. Und sie werden uns ab sofort alle weiteren faulen Kompromisse mit sogenannten Top-Clubs als Rettung des Fußballs verkaufen. Das Motto wird sein: Schluckt diese Pille, denn sonst gründen sie dieses Mal wirklich eine Super League.

Worte? Wir wollen Taten!

Die Reaktionen der letzten Tage von Verbänden und Vereinen haben gezeigt: Konsequente Positionierungen sind möglich und führen zu Veränderung. Es sind viele große Worte gefallen. Die Fußballwelt scheint sich einig: Es geht doch um den Sport und nicht um den maximalen Profit, der Fußball muss eine Solidargemeinschaft sein und die Maßnahmen im Fußball müssen mit dem Willen der Fans in Einklang gebracht werden. Sind all diese Worte morgen wieder vergessen? Bisher kennen wir das von den Verantwortlichen im Fußball nicht anders.

Wir fordern – wie schon so oft – Verbände und Vereine auf, mit den folgenden Maßnahmen umgehend den dringend notwendigen Richtungswechsel zu vollziehen.

Von der UEFA, ihren angeschlossenen Mitgliedsorganisation und Funktionär:innen fordern wir:

• Nehmt die am Montag beschlossenen Reform der UEFA-Clubwettbewerbe zurück und beginnt unter Einbezug von Fans einen neuen Prozess!
• Wendet das Financial Fairplay-Reglements konsequent an – keine Aufweichung!
• Verteilt gemeinsame Einnahmen aus den UEFA-Wettbewerben gleichmäßiger – zwischen den Wettbewerben, den partizipierenden Teams und inklusive erheblicher Solidaritätszahlungen an die nationalen Ligen!
• Berücksichtigt Faninteressen bei allen Entscheidungen verbindlich!

Vom DFB, der DFL, deutschen Vereinen und deutschen Vertreter:innen fordern wir:

• Schließt euch unseren Forderungen auf europäischer Ebene an, fordert diese konsequent ein und verhaltet euch in allen Debatten und Abstimmungen entsprechend!
• Führt ein nationales Financial Fairplays als komplementäre Maßnahme zum europäischen Financial Fairplay ein!
• Positioniert euch für die 50+1-Regel und deren konsequenten Schutz als Garant der Werte des deutschen Fußballs!
• Verteilt zukünftige gemeinsame Einnahmen – insbesondere beim TV-Geld – deutlich gleichmäßiger!
• Berücksichtigt Faninteressen bei allen Entscheidungen verbindlich!

Von der Politik fordern wir:

• Beobachtet die Reaktionen der Funktionär:innen und ihre Maßnahmen jetzt genau – und mischt euch in die Debatten für Fußball als zu schützendes Kulturgut ein!
• Schafft überall dort verbindliche und nachhaltige rechtliche Rahmenbedingungen, wo der Fußball nicht in der Lage ist, sich selbst zu verpflichten!
• An alle Politiker:innen und Regierungen: Ergreift auf europäischer Ebene alle notwendigen Maßnahmen, um unsere Vereine und den Fußball zu schützen!

Es gibt kein Zurück

Wir haben die scheinheiligen Worte von euch, den Verantwortlichen in Vereinen und Verbänden, seit dem letzten Jahr bis zum heutigen Tag nicht vergessen und werden diese auch in Zukunft nicht vergessen. Selbst in der größten Krise des Profifußballs habt ihr eure Eigeninteressen über den Sport gestellt. Versprechungen, den Fußball nachhaltiger, stabiler und bodenständiger zu gestalten, verhallten im Nichts. Bis heute warten wir auf die versprochenen Reformen. Stattdessen habt ihr den Fußball weiter zum Schlechten verändert. Für uns gibt es kein Zurück zum Status Quo. Ihr habt gesehen, was für ein Erdbeben eure Entscheidungen auslösen. Macht euch auf ein weiteres gefasst, wenn ihr nicht endlich die notwendigen Schritte ergreift.

Eine gemeinsame Stellungnahme von:

BAFF – Bündnis aktiver Fußballfans
BBAG – Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft
F_in – Netzwerk Frauen im Fußball
FC PlayFair!
QFF – Queer Football Fanclubs
ProFans
Unser Fußball – Initiativgruppe
Unsere Kurve
Zukunft Profifußball

22. April 2021

Nein zur Reform der europäischen Klubwettbewerbe!

Berlin, den 29.03.2021

Am Mittwoch vor Ostern will das UEFA-Exekutivkommittee über eine neue Reform der europäischen Klubwettbewerbe ab 2024 entscheiden. Bereits im Vorfeld ist klar geworden, dass die beabsichtigten Änderungen ein Schlag ins Gesicht der Fans sind, und zwar europaweit:

Durch die Erhöhung der Zahl der Spieltage wird der Termindruck auf die nationalen Ligen noch weiter erhöht. Die Folge wird sein, dass noch mehr Spiele fanunfreundliche Anstoßzeiten erhalten werden und dass es mehr englische Wochen geben wird.

Mit einer nahezu verdoppelten Spielanzahl in der Champions-League soll die Geldmaschinerie noch viel ertragreicher laufen als bisher. Die äußerst ungleichmäßige Verteilung des Geldes wird zur Folge haben, dass sich einige wenige Vereine noch stärker abheben und dass die nationalen Ligen geschwächt werden und sportlich immer weniger Spannung erzeugen. Der Aufstieg von Vereinen aus der zweiten Reihe in europäische Höhen wird nur noch mit der Abhängigkeit von massivem finanziellem Engagement fußballfremder Investoren zu erkaufen sein.

Mit der Reform wird nicht die breitere Beteiligung der Fußballnationen am Spitzenwettkampf gefördert, sondern im Gegenteil die noch stärkere Abschottung einer geschlossenen Elite. Zum Teil soll sogar nicht mehr die aktuelle sportliche Leistung der Maßstab für die Teilnahme am Wettbewerb sein. Stattdessen soll es für Vereine mit hohem finanziellem Investment ein Auffangnetz geben. Unterm Strich wird damit jedoch das wirtschaftliche Hasardspiel noch angeheizt werden, die Abhängigkeit wird sich vergrößern.

„Alle sagen, wir vermissen so schmerzlich die Fans. Und dann wird etwas beschlossen, was völlig konträr zu dem steht, was die Fans sich wünschen“, charakterisiert Nicolai Mäurer von ProFans den eklatanten Widerspruch. Jörn Brauer fragt: „Wo bleibt die Einsicht vom Beginn der Pandemie, sich etwas zurückzunehmen und solide Arbeit zu fördern statt immer irrwitzigere Einnahmen der ganz Großen?“ Pressesprecher Sig Zelt ergänzt: „Selbst die aktiven Fans von Vereinen wie Bayern und BVB lehnen die Pläne ab. Für wen wird eigentlich der Profifußball gespielt, wenn nicht für die Fans?“

Statt verdeckter Ermittler in den Stadien fordert ProFans, dass der Verband die Interessen der Fans und Mitglieder vertritt.

ProFans ruft Dr. Rainer Koch auf: Stimmen Sie am Mittwoch gegen die Pläne der UEFA!

ProFans, im März 2021

ProFans fordert DFB zum Verzicht auf die WM 2022 auf

Berlin, den 08.03.2021

Nicht erst seit gestern erreichen uns Meldungen über menschenverachtende Bedingungen bei der Errichtung der WM-Infrastruktur in Katar. Schon vor sechs Jahren wies die IG Bauen-Agrar-Umwelt auf die hochgradig diskriminierenden und gefährlichen Verhältnisse für Arbeitsmigranten in Katar hin. Diese müssten ihre extrem kargen Löhne nicht nur unter ausbeuterischen Bedingungen und mangelnder Arbeitssicherheit verdienen, nicht nur in unwürdigen Unterkünften leben, sondern seien zudem faktisch rechtlos. So dürfen sie demnach ohne Genehmigung des Arbeitgebers nicht einmal in ihre Heimat zurückkehren.

Inzwischen melden Medien die Zahl von 6.700 toten Arbeitsmigranten auf den WM-Baustellen in Katar per Stand Mitte Februar. Alle sieben Stunden stirbt dort ein Arbeiter vom indischen Subkontinent. Es ist zu spät, diese Leben zu retten. Aber wir können nicht darüber hinwegsehen.

Der Sport verbindet Nationen, unabhängig von Politik, Weltanschauung und Religion. Es ist wichtig, diese Verbindungen zu erhalten und immer wieder zu erneuern. Aber hier geht es nicht um Fragen von Politik und Kultur, sondern hier geht es um Menschlichkeit, um das Recht auf Leben.

Wir wissen sehr wohl, dass viele Fußballfreunde den Spielen der deutschen Nationalmannschaft entgegenfiebern. Uns ist ebenso bewusst, dass eine Weltmeisterschaft für die Sportler der Höhepunkt ihrer Laufbahn schlechthin ist. Wir sind Fußballfans und lieben diesen Sport. Aber es gibt nichts, was es rechtfertigen könnte, die Menschenrechtsverletzungen in Katar hinzunehmen, ja, gar durch die Teilnahme am Turnier wissentlich, billigend zu unterstützen. Die Stimmen werden lauter, und ProFans stellt sich ganz klar an die Seite derer, die einen Boykott dieser Weltmeisterschaft für unumgänglich halten.

Wir fordern den DFB auf, die Teilnahme an der WM in Katar abzusagen.

Ein rauschendes Fußballfest auf den Gräbern von Tausenden Arbeitsmigranten – daran teilzuhaben, wäre das Ende von Ethik und Würde. Mit Entsetzen wenden wir uns davon ab. Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Fußball ist auch: gesellschaftliche und soziale Verantwortung. Wir sind sicher, andere werden dem Beispiel Deutschlands folgen. Will der DFB noch einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit behalten, muss er seine Teilnahme an diesem Turnier absagen, und zwar jetzt!

ProFans, im März 2021

Bündnis ProFans zum Ergebnisbericht der „Taskforce“ Zukunft Profifußball:
Nein, wir sind nicht enttäuscht, denn wir haben nichts anderes erwartet

Berlin, den 04.02.2021

Heute hat die DFL den zusammenfassenden Ergebnisbericht der „Taskforce“ Zukunft Profifußball veröffentlicht. Wo man sich umhört, findet man Stimmen der Enttäuschung über die unverbindlichen, schwammigen und viel zu kurz gedachten Ansätze. Bei ProFans ist niemand enttäuscht, denn nichts anderes haben die von dem Bündnis vertretenen Gruppen erwartet.

Wenn man das von ProFans unterstütze Papier der fan-getragenen Initiative Profifußball mit dem Ergebnisbericht der sogenannten Taskforce vergleicht, fällt sofort die ganz unterschiedliche Qualität ins Auge. Während die Fans auf Grundlage gründlicher Analysen zu Handlungsschlussfolgerungen kommen, die von konkreten Problemlösungs-Vorschlägen getragen sind, kommt es bei der „Taskforce“ lediglich zu Absichtserklärungen und völlig unverbindlichen Handlungsempfehlungen. Letztere beschränken sich zudem größtenteils auf die Beschreibung ganz allgemeiner Ziele oder aber sie zielen auf die Einsetzung nachfolgender, neu zu schaffender Gremien ab und bleiben somit weitgehend ergebnisoffen.

„Das ist kein Ergebnis einer wirklichen Taskforce, die schnell und entschlossen das Ruder in die richtige Richtung bringt, sondern es ist der Kompromiss eines Laberladens, wo keiner dem anderen wehtun will“, fasst Jörn Brauer von ProFans die Einschätzung des Bündnisses zusammen.

Anstatt den Fokus auf das Zurückführen der Ausgabenseite auf ein vernünftiges Maß zu legen, empfiehlt die „Taskforce“ im 4. Punkt sogar, die ausgezehrte Kuh noch weiter zu melken und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Gerade einmal eine Deckelung der Ausgaben für Beratungsleistungen soll angestrebt werden (Punkt 9). Mit allem anderen, was zur wirtschaftlichen Stabilität führen könnte, will man auf europäische oder globale Reformen warten. Geradezu unglaublich weltfremd liest sich aus Sicht der aktiven Fans die Passage im Punkt 8, dass das Engagement professioneller Investoren für mehr Wettbewerb sorgen könne. Offenbar hat das Gremium völlig den Blick dafür verloren, dass die Fans sich für den Wettbewerb auf sportlicher Ebene – bei annähernd vergleichbaren wirtschaftlichen Voraussetzungen – begeistern und nicht für den finanziellen Überbietungswettbewerb beim Einkauf von „Spielermaterial“.

Bezeichnend ist auch, dass der „Taskforce“ zur Wiederbelebung des festgefahrenen Dialogs mit den Fangruppen nichts anderes einfällt, als weiterhin auf Formate unter Federführung des Verbandes zu setzen – wohlbemerkt ohne diesen Formaten irgendeine Verbindlichkeit zuzuweisen, zum Beispiel etwa nach dem Muster der Mitwirkungsrechte von Belegschaftsvertretungen in Wirtschaft und Behörden.

„Mutige Schritte sehen ganz anders aus. Einen netten Anstrich von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung, darauf konnten sie sich noch einigen. Für eine wirkliche Kursänderung fehlt jedoch der Wille“, resümiert Sprecher Sig Zelt. Na dann: Gute Nacht.

ProFans, im Februar 2021

ProFans fordert sofortige Aufhebung von Stadionverboten

Berlin, den 12.10.2020

Seit der vergangenen Woche erschüttert erneut ein Skandal den Deutschen Fußballbund, wieder einmal geht es um Steuerhinterziehung. Einnahmen aus Bandenwerbung sollen nicht als geschäftliche Erlöse deklariert worden sein. Jeder Schatzmeister im Vereinswesen weiß, dass so etwas eine wirtschaftliche Tätigkeit ist, die in bestimmtem Umfang der Gemeinnützigkeit nicht entgegensteht, jedoch nicht unter deren Steuerbegünstigung fällt. Steuerhinterziehung in der fraglichen Höhe (rund 4,7 Mio Euro) zieht üblicherweise immer Haftstrafen ohne Bewährung nach sich.

Presseberichten ist zu entnehmen, dass offensichtlich unter anderem gegen Reinhard Grindel, Dr. Rainer Koch und Dr. Reinhard Rauball als Beschuldigte ermittelt werde. In der Stadionverbotsrichtlinie des DFB heißt es, dass ein bundesweit wirksames Stadionverbot ausgesprochen werden soll „bei eingeleiteten Ermittlungs- oder sonstigen Verfahren, insbesondere in folgenden Fällen … 15. Sonstige schwere Straftaten im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen“. Dies trifft hier unzweifelhaft zu.

Bei ähnlich schwerwiegenden Delikten, aus der Fanszene heraus begangen, machen Vereine und der Verband sofort öffentlich, dass die Beschuldigten Stadionverbote erhalten. Innenminister profilieren sich dann gern, indem sie ‚lebenslange‘ Betretungsverbote fordern. Im aktuellen Fall ist jedoch in keiner Weise von etwaigen Stadionverboten gegen die betreffenden Herren die Rede. Auch schon bei den Ermittlungsverfahren von 2015 bis 2020 gegen führende, zum Teil ehemalige, DFB-Funktionäre, die übrigens weder mit Freispruch noch mit Verfahrenseinstellung mangels hinreichenden Tatverdachts endeten, was nach den DFB-Regeln zur Aufhebung eines Stadionverbotes Anlass geben würde, kamen die Betreffenden ungeschoren davon.

ProFans kritisiert grundsätzlich das Instrument der bundesweiten Stadionverbote. Sie werden als Sicherheitsmaßnahme verbrämt, um sie juristisch legitimieren zu können, sind jedoch als Strafe gedacht und werden auch als solche wahrgenommen. Ihr tatsächlicher Einfluss auf aggressive Verhaltensweisen ist umstritten. Unabhängig davon kritisiert ProFans jedoch ganz besonders die in der genannten Richtlinie festgeschriebene Praxis, Stadionverbote zu erteilen, bevor eine Schuld erwiesen ist, und fordert seit vielen Jahren die Anwendung des Rechtsgrundsatzes der Unschuldsvermutung. Wenn dieser Grundsatz nun tatsächlich Gehör findet, indem er für verantwortliche hohe Funktionäre gilt, dann ist es in keiner Weise hinnehmbar, dass einfachen Fußballfans in sehr viel geringfügigeren Verdachtsfällen der Besuch von Fußballspielen verboten bleibt. Es ist die große Mehrzahl aller Stadionverbote, die nur auf Verdacht hin ausgesprochen werden.

ProFans-Sprecher Jörn Brauer bringt es auf den Punkt: „Hier geht es um Straftaten mit mehreren Millionen Euro Schaden für die Allgemeinheit und der DFB denkt nicht daran, Stadionverbote auszusprechen. Währenddessen sind einfache Fans mit Stadionverbot sanktioniert, nur weil sie etwa verdächtigt werden, ein Bier nicht bezahlt zu haben.“ Pressesprecher Sig Zelt ergänzt: „Das ist genau das Prinzip: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Das ist extrem empörend und verletzt den Gerechtigkeitssinn der Fans.“

Indem der DFB eine derartige eklatante Ungleichbehandlung duldet, befeuert er wissentlich die konfrontative Spannung zwischen Verband und Fanbasis. Das ist das Gegenteil von gesellschaftlicher Verantwortung. Nur der Verzicht auf alle Stadionverbote – zumindest auf jene, die sich nur auf eine unbewiesene Beschuldigung gründen – kann die logische Konsequenz sein!

ProFans, im Oktober 2020