Das unabhängige Bündnis ProFans übt scharfe Kritik am Urteil des OLG Köln vom 09.03.2017. Dieses entschied, dass ein Fan des 1. FC Köln aufgrund eines Böllerwurfs eine Strafe von 20.340€ an seinen Verein zu zahlen habe. Diesem Urteil war eines des BGH vom 22. September 2016 voraus gegangen, bei dem die Umlage einer Verbandsstrafe des DFB-Schiedsgerichts auf einen Fan beschlossen wurde. Lediglich über die Höhe der Umlage hatte das OLG am vergangenen Donnerstag zu entscheiden.
„Die dabei angewendete Handhabe des stillschweigenden Unterwerfens unter das Verbandsrechts des DFB ist konstruiert. Der Betroffene ist einer Doppelbestrafung ausgeliefert, da seine Vergehen ja in erster Linie im Rahmen der ordentlichen Gerichtsbarkeit geahndet werden sollten.“ kritisiert ProFans-Sprecher Stephan Schell.

ProFans-Sprecherin Gloria Holborn ergänzt: “Für das größte Unverständnis sorgt jedoch die Tatsache, dass im Rahmen der Schiedsgerichtsbarkeit des DFB dem Beschuldigten keine Möglichkeit eingeräumt wird, sich zu den Vorfällen zu äußern, wie es sein verfassungsmäßiges Recht im ordentlichen Prozess ist. Außerdem sind die Verbandsstrafen des DFB in ihrer Höhe willkürlich, nicht nachvollziehbar und hängen beispielsweise von der wirtschaftlichen Situation und Straffälligkeit der Vereine ab, wobei letzteres ja wiederum auf dem Fehlverhalten anderer beruht.“

Dass einen Stadionbesucher Rechtsfolgen aus einem verbandsrechtlichen Schiedsverfahren treffen, auf welches dieser keinerlei Einwirkungsmöglichkeit hat, war in der Vergangenheit nicht nur von ProFans kritisiert worden.

Der Fokus des Urteils des OLG Köln lag nun darin, zu entscheiden „welcher Anteil der Verbandstrafe auf das Verhalten des Beklagten zurückzuführen war. Der Verein war nicht nur wegen des Böllerwurfes, sondern auch wegen drei weiterer Vorfälle, an denen der Fan nicht beteiligt war, mit einer Strafe belegt worden.[…]
Der 7. Zivilsenat entschied, dass der Beklagte den prozentualen Anteil bezahlen muss, der sich auf die Summe der Einzelstrafen bezieht. […] Das Verhältnis der jeweiligen Einzelstrafe zur Summe der Einzelstrafen sei dagegen eine verlässliche Bemessungsgrundlage, bei der Änderungen der Gesamtstrafe stets verhältnismäßig weitergegeben werden könnten.“, so heißt es in der offiziellen Pressemitteilung des OLG.

Den Fan treffen somit enorme Kosten, auf dessen Entstehung er allerdings entgegen aller rechtsstaatlichen Prinzipien keinen Einfluss hat.

Das unabhängige Bündnis ProFans fordert daher erneut den DFB auf, seine Gerichtsbarkeit transparenter und nach geltenden rechtsstaatlichen Prinzipien zu gestalten.

Dem 1. FC Köln, der bereits Revision gegen das Urteil des OLG eingelegt hat, weil er weitere 10.000€ von dem einzelnen Fan bekommen möchte, legen wir einen fanfreundlicheren Umgang mit seiner Anhängerschaft ans Herz und – soweit es uns zusteht – appellieren wir an den nun erneut entscheidenden Bundesgerichtshof, die Bemessungsgrundlage für die Umlage nicht von Umständen abhängig zu machen, für die der einzelne Beklagte nichts kann.

ProFans im März 2017

Wöchentlich grüßt das Murmeltier, kriecht aus seinem VIP-Bereich hervor und maßt sich an, ein Kollektiv für das Vergehen einzelner massiv zu bestrafen.

Diesmal trifft es die Fans von Borussia Dortmund, die sich nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts darauf einstellen müssen, das Spiel gegen Wolfsburg nicht auf der Südtribüne verfolgen zu können.

 Auch wenn wir langsam müde werden, als Fußballfans immer erst zurückrudern zu müssen, betonen wir, dass es uns fern liegt Straftaten zu bagatellisieren. In diesem Zusammenhang stellen sich allerdings genau die Fragen, die uns bewegen: Wurden Straftaten beim Gastspiel der Leipziger in Dortmund auf der Südtribüne begangen? Über welche Art von Tätlichkeiten, die im Strafgesetzbuch ihre Erwähnung finden, diskutieren wir? 

In der Verkündung des Urteils des DFB-Sportgerichts ist die Rede von Spruchbändern mit „verunglimpfenden und diffamierenden“ Inhalten, in den Innenraum geworfenen Bierbechern und einem Laserpointer. Wenn man lange genug im StGB sucht, wird man wohl früher oder später zumindest auf den Tatbestand „Beleidigung“ stoßen. Die Urteilsverkünder lassen jedoch keinen Einblick in ihre Trennlinie zwischen freier Meinungsäußerung und Beleidigung zu. Die Frage, ob es diese Trennlinie überhaupt gibt, sparen wir uns an dieser Stelle. Inwiefern Körperverletzung mit Bierbecher und Laserpointer begangen wurden, vermögen wir nicht zu beurteilen. Wir gehen aber davon aus, dass die Anzahl der belegten Betten in den Dortmunder Krankenhäusern deswegen jetzt nicht maßlos gestiegen ist.



Der DFB spricht in seiner Pressemitteilung außerdem von „massiven Zuschauer-Vorkommnissen“ und erwähnt im letzten Absatz, dass die Sportgerichtsbarkeit keinen Zugriff auf die Vorfälle hat, die sich außerhalb des Stadions zugetragen haben sollen. Auch wenn der ein oder andere Altvordere an der Otto-Fleck-Schneise bestimmt feuchte Träume beim Thema „Zugriff auf Verhalten außerhalb des Stadions“ bekommt, entspricht dies der Wahrheit. Ob es der Wahrheit entspricht, dass die Geschehnisse außerhalb des Stadions keinen Einfluss auf die Bewertung der Ereignisse im Stadion genommen haben, entzieht sich unserer Kenntnis.

Ohne Einblick in die Systematik der Sportgerichte werden wir wohl auch nie erfahren, welche Punkte in eine Bewertung eines Spieltags durch den
DFB überhaupt mit aufgenommen werden.

 So richtig „humorvoll“ wird es übrigens, wenn der DFB noch nicht mal mehr Transparente oder Pyrotechnik zum Bestrafen braucht. Viele Fanvertreter haben es damals bei den 12:12-Protesten bereits erwähnt: Die Bestrafung der Verbände für sogenannte „diffamierende Gesänge“. Herzlichen Glückwunsch, Bundesliga, du wirst gerade zur Kirmesveranstaltung! Der DFB täte wirklich gut daran sich zu überlegen, wie lange er diese Weichspülerfahne noch hochhalten möchte. Vielleicht bis sich irgendwann das Gros der Fans aus ihren Kurven verabschiedet hat und endlich die Bahn für teurere Sitzplätze mit kaufkräftigem Publikum frei geworden ist?



Zum Ende möchten wir noch ein paar Worte an diejenigen Pharisäer richten, die den Großteil ihrer Informationen aus den Massenmedien beziehen: Wenn ihr nur halbsoviel Mitleid mit Flüchtlingen oder in Armut lebenden Menschen hättet wie mit den angeblich in Dortmund verletzten „Frauen und Kindern“, dann wäre diese Gesellschaft schon mal ein ganzes Stück weiter. Es ist uns schleierhaft, wie es RB Leipzig schafft, einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung mit einer fragwürdigen Mitleidstour auf seine Seite zu ziehen, während bei fast jedem Spiel in Leipzig die dort gastierenden Fanszenen vom hiesigen Ordnungsdienst in die Fresse bekommen. Übrigens stehen auch bei anderen Fanszenen genügend Frauen und Kinder im Gästeblock!

Pro Fans kritisiert erneut die nicht vorhandene Transparenz, die Willkür und die Unverhältnismäßigkeit der Sportgerichte und fordert den DFB auf, endlich sein überholtes Strafensystem zur reformieren! Es kann nicht sein, dass 25.000 Zuschauer beim Spiel ihrer Mannschaft gezwungen sind, draußen bleiben zu müssen, nur weil Spruchbänder hochgehalten und Lieder gesungen wurden, die dem DFB nicht passen! Ebenso rufen wir alle Fußballfans auf, ihren Arsch hochzukriegen und endlich nicht nur die Fankurven, sondern auch den DFB und seine Befangenheit zum Thema RB Leipzig zu hinterfragen!



ProFans im Februar 2017

Wenn am kommenden Samstag im Dortmunder Westfalenstadion der Anpfiff zum
Bundesligaspiel ertönt, werden wieder einmal Tausende Fans trotz längst erworbener Eintrittskarten ausgesperrt sein. Erneut setzt der DFB auf eine Kollektivstrafe, die sich gegen einige Wenige richten soll und doch viele Tausende vor den Kopf stößt. Damit versagt der Verband ein weiteres Mal den Fans pauschal und undifferenziert den Respekt und missachtet anerkannte ethische Maßstäbe, die in der kulturellen Tradition der Aufklärung zu den Grundprinzipien zählen.



Angestoßen durch einen Vortrag eines weithin bekannten Satirikers, haben wir in Deutschland seit einigen Monaten eine Diskussion, wie weit Schmähkritik gehen darf. Es ist unbenommen, dass man dazu kontroverser Meinung sein kann und dass man einige der letztens in Dortmund auf Transparenten gezeigten Losungen für geschmacklos oder beleidigend halten mag. Wenn in spontanen Befragungen zum aktuellen Fall vier von 
fünf Menschen Kollektivhaftung akzeptabel finden, wirft das freilich ein bitteres Schlaglicht auf den Zustand unserer Gesellschaft. Doch mit purem Populismus löst man keine Probleme.



“Wäre man konsequent, würde man nicht Tausende Fans in Haftung nehmen, sondern statt dessen die Verantwortlichen jenes Verbandes, der mit seinen Entscheidungen genau die Konflikte schürt, die sich in einer Weise entladen, wie man sie sich nicht wünscht”, gibt ProFans-Sprecher Jörn Jacobs (Fanszene VfL Osnabrück) wieder, was viele denken. Gabriele Mateika (Fanszene FC Sankt Pauli) macht auf einen anderen Aspekt aufmerksam: “Man will eine Distanzierung erreichen. Aber indem das DFB-Sportgericht die große Menge in Mithaftung nimmt und als Gesamtheit disqualifiziert, stärkt das vielmehr die gegenseitige Solidarisierung.” 

Hilfreicher wäre, über die Ursachen des eskalierenden Konfliktes nachzudenken. “Wenn vor zwei Wochen, wie ‘Der Spiegel’ schreibt, ‘Hunderte, die … am Montag wieder mit Schlips und Anzug den Hund Gassi führen’, an Ausschreitungen beteiligt waren, dann wird man die Ursache nicht in Lust an Randale zu suchen haben, sondern viel eher in dem Gefühl, machtlos ausgeliefert zu sein, wenn geldgeile Funktionäre die Wandlung des Fußballs von einem Massensport der Arbeitenden zu einer Hochglanzshow von Millionären betreiben”, legt Pressesprecher Sig Zelt (Fanszene 1. FC Union Berlin) den Finger in die Wunde.



Wenn dem DFB wirklich daran liegt, Fußballfans, die Woche für Woche leidenschaftlich ihren Verein supporten, mit der ihnen gebührenden Achtung zu begegnen – dann sollte er damit als Vorbild vorangehen. Noch wichtiger wäre allerdings eine offene und demokratische Aussprache darüber, welchen Weg der Spitzenfußball in Zukunft gehen soll. Die Masse der aktiven Fans fühlt sich auf diesem Weg immer weniger mitgenommen.



ProFans im Februar 2017


In der Sache richtig, im Detail falsch. Leider haben wir uns auf nicht ausreichend geprüfte Informationen verlassen und von daher statt des Vereins die Fanszene des FC Hansa Rostock als Urheberin der Bilderaktion bezeichnet sowie die Anzahl der Geisterspiele verdoppelt. An unserer Kritik und Forderung gegenüber dem DFB ändert dies nichts.

ProFans im Januar 2017

Die Fanszene des FC Hansa Rostock versucht kreativ gegen einen vom Sportgericht des DFB verhängten Zuschauerausschluss für zwei Spiele zu protestieren.

Dies soll zum einen in Form von Geistertickets und zum anderen mit einer Bilderaktion in den gesperrten Blöcken umgesetzt werden. Hierbei soll jedes Bild für einen ausgeschlossen Fan stehen.

Nachdem der Verein die erste Verbotsbegründung wegen angeblicher Brandgefahr ausgeräumt hatte, wurden andere Gründe gesucht und letztlich gefunden, um die kreative Aktion der Fans zu unterbinden. Dabei wurde sich auf ein Urteil des verbandseigenen Sportgerichts berufen, welches besagt, dass bei Blocksperren keine Banner, Fahnen oder ähnliches in den Blöcken hängen dürften.

“Damit hat der DFB sich durch seine interne Rechtsprechung selbst die Legitimation zu solchen Strafen gegeben, ohne dass dieses Vorgehen in den Statuten festgelegt ist”, kritisiert ProFans-Sprecherin Gloria Holborn das Verständnis von Gewaltenteilung innerhalb des DFB.

Den Fans vom FC Hansa Rostock wurde somit die Möglichkeit genommen, gegen die Sanktionen zu protestieren und sich eine Stimme in der Angelegenheit zu verschaffen. „Wir kritisieren Kollektivstrafen seit Jahren und beanstanden das damit intendierte Auseinanderfallen von Kurvengemeinschaften. Die Hansa-Fans zeigen, dass sie nicht bereit sind, sich durch zweifelhafte Kollektivstrafen auseinander bringen zu lassen und werden dafür in ihrer Meinungsfreiheit beschränkt,“ so ProFans-Sprecherin Gabriele Mateika.

Für mehr Verständnis und Transparenz gegenüber der DFB-Gerichtsbarkeit wird dieses Vorgehen mit Sicherheit nicht sorgen und bestätigt das von ProFans ausgerufene Jahresziel, mehr denn je die Sportgerichtsbarkeit in den Fokus der fanpolitschen Arbeit zu rücken.

“Eine Organisation, die sich öffentlicher Kritik entzieht, pervertiert den Gedanken einer demokratischen Gesellschaft,” stellt Holborn fest und führt weiter aus: “Auch ein Verband muss damit umgehen können, dass seine Strafen nicht überall auf Wohlgefallen stoßen und darf die sachliche Auseinandersetzung damit nicht scheuen.”

In der Vergangenheit hat es mehrfach beeindruckende Protestaktionen von betroffenen Fanszenen gegen derartige Urteile gegeben. „Der DFB macht hier einen großen Fehler. Das Kritik-Verbot an seinen Urteilen bringt nämlich nicht nur Ultras gegen sich auf, sondern weite Teile der Fanszenen. Damit wird der Verband immer mehr zu einem extremen Feindbild von unterschiedlichsten Fußballfans in ganz Deutschland“, sagt Jakob Falk von ProFans.

ProFans fordert die Rücknahme des Verbotes der Bilderaktion und empfiehlt dem DFB einen gelasseneren Umgang mit Kritik an seiner ungerechten und ineffektiven Sportgerichtsbarkeit.

ProFans im Januar 2017