Vor ein paar Tagen erreichte uns eine interessante Nachricht der Berlin-Kreuzberger “Institution Kiez und Kneipe”. Peter S. Kaspar schreibt uns:

Unter anderem Euer Aufruf gegen die WM in Katar hat uns zu einem Projekt inspiriert, das wir nun nach längerer Vorbereitung endlich in Angriff nehmen können. Wir wollen den Spielfim “Der Weg in die Wüste” produzieren, in dem ein fiktiver Nationalspieler sich mit seinem schweren Gewissenskonflikt auseinandersetzen muss, weil er in Katar fußballspielen soll.

Wir halten dieses Projekt für so interessant, dass wir entgegen sonstiger Gewohnheit an dieser Stelle darauf hinweisen wollen. Zur Finanzierung des Filmes läuft bis Ende August eine Crowdfunding-Kampagne, die unter

https://www.startnext.com/der-weg-in-die-wueste

erreichbar ist. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter https://der-weg-in-die-wueste.de/ .

 

Als reines Wirtschaftsunternehmen hat der Fußball keinen Wert

Berlin, den 13.07.2021

An diesem Mittwoch treffen sich die Mitglieder des Ligaverbandes, um darüber zu beraten, wie sie mit der Stellungnahme des Bundeskartellamtes zur sogenannten 50+1-Regel umgehen wollen. Die Behörde hatte signalisiert, dass Zulassungsregeln, die die Freiheit des wirtschaftlichen Handelns der am Spielbetrieb der DFL Teilnehmenden einschränken, um allgemeine sportpolitische Ziele wie der Stärkung des Modells Vereinsfußball zu erreichen, durchaus mit dem Kartellrecht vereinbar seien. Jedoch müsse dann gewährleistet sein, dass diese Regeln für alle Mitglieder gälten – ohne dem Zweck der allgemeinen Regel zuwiderlaufende Ausnahmen.

ProFans bekräftigt in diesem Zusammenhang, dass die 50+1-Regel, die die Stimmenmehrheit der Vereine über ihre Lizenzspielabteilungen bzw. -ausgliederungen sichert, ein wesentliches und unverzichtbares Element im gesellschaftlichen Wertegefüge des deutschen Fußballs ist. „Die 50+1-Regel ist die letzte Bastion, die die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Vereinsmitglieder bewahrt und die verhindert, dass allein die wirtschaftlichen Interessen von Investoren über das Schicksal der Lizenzmannschaften entscheiden“, sagt ProFans-Sprecher Jörn Brauer, verbunden mit dem Hinweis: „Dazu hat sich die DFL in der Vergangenheit auch immer wieder in ihren Beschlüssen bekannt.“

Nicht die Einzigartigkeit des Fußballs als Mannschaftssport, nicht die bloße Darbietung eines Spiels zur Unterhaltung des Publikums, macht den Fußball so erfolgreich und gesellschaftlich wertvoll, sondern die aktive Beteiligung und Mitbestimmung durch die breite Fan- und Mitgliederbasis. Deshalb gehört nicht die Regel abgeschafft, sondern vielmehr die Ausnahmen. „Sicherlich wird man den betroffenen Vereinen noch eine Frist zur Anpassung an die Regel geben können, aber eine dauerhafte Beibehaltung ist der Einschätzung des Kartellamtes zufolge rechtlich schlicht unzulässig“, erläutert Sig Zelt von ProFans und fügt hinzu: „Eine solche Befristung ist überfällig, man hätte sie schon vor zwanzig Jahren ins Regelwerk aufnehmen müssen.“

Das Votum des Bundeskartellamtes, nach dem Lizenzauflagen zur Erreichung sportpolitischer Ziele grundsätzlich zulässig sind, eröffnet auch einen Weg, Konstrukten, die zur gezielten Umgehung der demokratischen Mitbestimmung gebildet wurden, die Teilnahme am Lizenzspielbetrieb zu verwehren. Die Zulassung von Vereinen, die einen weitgehend freien Beitritt ihrer Unterstützer und Fans als stimmberechtigte Mitglieder verwehren, verstößt aus der Sicht von ProFans ebenso wie die drei von der DFL derzeit akzeptierten Ausnahmen gegen die Voraussetzungen, die das Bundeskartellamt fordert.

Allein die soziale Integrationskraft, für die die demokratische Mitbestimmung ein fundamentales Element ist, gibt dem Fußball seine herausgehobene gesellschaftliche Stellung. Als reines Wirtschaftsunternehmen hat er, über die bloße Unterhaltung des Publikums hinaus, keinen Wert.

ProFans, im Juli 2021

Gemeinsame Stellungnahme aller deutschen Fanorganisationen

Genug ist genug? Richtungswechsel jetzt!

Die Ereignisse der letzten Tage zeigen: Keine Entwicklung im Fußball muss einfach hingenommen werden. Vereine und Verbände stehen dem Gebaren von sogenannten “Top-Clubs” nicht machtlos gegenüber. Erneut wurde die Reaktion von Fans in ganz Europa unterschätzt. Erstmalig schlossen sich auch Trainer:innen, Spieler:innen und Politiker:innen in dieser Intensität den Protesten an.

Doch die Super-League-Pläne waren nur die Spitze des Eisbergs. Die großmütigen Worte von UEFA, DFL, DFB und Vereinen lassen den Eindruck entstehen, als hätten sie schon immer die Werte des Sports verteidigt. Dabei sind sie es, die im gleichen Atemzug eine Reform der UEFA-Clubwettbewerbe beschlossen haben, in denen die sportliche Qualifikation außer Kraft gesetzt wird. Sie wollen die Regeln des Financial Fairplays aufweichen, statt es konsequenter anzuwenden. Sie haben in den letzten Jahren alle Maßnahmen für den Ausverkauf des Fußballs getroffen, statt einen sportlich fairen und integren Wettbewerb zu fördern. Sie sind in Korruptionsskandale verwickelt und klären diese nicht auf. Sie stellen Gewinnmaximierung in den Vordergrund, statt den Fußball gesellschaftlich zu verankern. Sie unterstützen die Profitgier Einzelner, statt gemeinsame Einnahmen gleichmäßiger zu verteilen.

Appell an alle Fans: Lasst Euch nicht blenden!

Wir rufen alle Fußballfans auf: Die Zeit für einen noch konsequenteren und lauteren Widerstand ist gekommen. Die Ereignisse der letzten Tage haben gezeigt, was möglich ist. Lasst Euch nicht blenden! FIFA, UEFA und die Nationalverbände sind nicht die Heilsbringer des Fußballs, die ihn vor dem Untergang gerettet haben. Vielmehr haben eben diese Verbände die Monopolstellung sogenannter Top-Clubs ermöglicht. Sie haben am Montag eine Reform beschlossen, in der die sportliche Qualifikation außer Kraft gesetzt wird. Sie verweigern seit Jahren eine gleichmäßigere Verteilung gemeinsamer Einnahmen und schrecken vor konsequenten Maßnahmen für Nachhaltigkeit im Fußball zurück. Und sie werden uns ab sofort alle weiteren faulen Kompromisse mit sogenannten Top-Clubs als Rettung des Fußballs verkaufen. Das Motto wird sein: Schluckt diese Pille, denn sonst gründen sie dieses Mal wirklich eine Super League.

Worte? Wir wollen Taten!

Die Reaktionen der letzten Tage von Verbänden und Vereinen haben gezeigt: Konsequente Positionierungen sind möglich und führen zu Veränderung. Es sind viele große Worte gefallen. Die Fußballwelt scheint sich einig: Es geht doch um den Sport und nicht um den maximalen Profit, der Fußball muss eine Solidargemeinschaft sein und die Maßnahmen im Fußball müssen mit dem Willen der Fans in Einklang gebracht werden. Sind all diese Worte morgen wieder vergessen? Bisher kennen wir das von den Verantwortlichen im Fußball nicht anders.

Wir fordern – wie schon so oft – Verbände und Vereine auf, mit den folgenden Maßnahmen umgehend den dringend notwendigen Richtungswechsel zu vollziehen.

Von der UEFA, ihren angeschlossenen Mitgliedsorganisation und Funktionär:innen fordern wir:

• Nehmt die am Montag beschlossenen Reform der UEFA-Clubwettbewerbe zurück und beginnt unter Einbezug von Fans einen neuen Prozess!
• Wendet das Financial Fairplay-Reglements konsequent an – keine Aufweichung!
• Verteilt gemeinsame Einnahmen aus den UEFA-Wettbewerben gleichmäßiger – zwischen den Wettbewerben, den partizipierenden Teams und inklusive erheblicher Solidaritätszahlungen an die nationalen Ligen!
• Berücksichtigt Faninteressen bei allen Entscheidungen verbindlich!

Vom DFB, der DFL, deutschen Vereinen und deutschen Vertreter:innen fordern wir:

• Schließt euch unseren Forderungen auf europäischer Ebene an, fordert diese konsequent ein und verhaltet euch in allen Debatten und Abstimmungen entsprechend!
• Führt ein nationales Financial Fairplays als komplementäre Maßnahme zum europäischen Financial Fairplay ein!
• Positioniert euch für die 50+1-Regel und deren konsequenten Schutz als Garant der Werte des deutschen Fußballs!
• Verteilt zukünftige gemeinsame Einnahmen – insbesondere beim TV-Geld – deutlich gleichmäßiger!
• Berücksichtigt Faninteressen bei allen Entscheidungen verbindlich!

Von der Politik fordern wir:

• Beobachtet die Reaktionen der Funktionär:innen und ihre Maßnahmen jetzt genau – und mischt euch in die Debatten für Fußball als zu schützendes Kulturgut ein!
• Schafft überall dort verbindliche und nachhaltige rechtliche Rahmenbedingungen, wo der Fußball nicht in der Lage ist, sich selbst zu verpflichten!
• An alle Politiker:innen und Regierungen: Ergreift auf europäischer Ebene alle notwendigen Maßnahmen, um unsere Vereine und den Fußball zu schützen!

Es gibt kein Zurück

Wir haben die scheinheiligen Worte von euch, den Verantwortlichen in Vereinen und Verbänden, seit dem letzten Jahr bis zum heutigen Tag nicht vergessen und werden diese auch in Zukunft nicht vergessen. Selbst in der größten Krise des Profifußballs habt ihr eure Eigeninteressen über den Sport gestellt. Versprechungen, den Fußball nachhaltiger, stabiler und bodenständiger zu gestalten, verhallten im Nichts. Bis heute warten wir auf die versprochenen Reformen. Stattdessen habt ihr den Fußball weiter zum Schlechten verändert. Für uns gibt es kein Zurück zum Status Quo. Ihr habt gesehen, was für ein Erdbeben eure Entscheidungen auslösen. Macht euch auf ein weiteres gefasst, wenn ihr nicht endlich die notwendigen Schritte ergreift.

Eine gemeinsame Stellungnahme von:

BAFF – Bündnis aktiver Fußballfans
BBAG – Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft
F_in – Netzwerk Frauen im Fußball
FC PlayFair!
QFF – Queer Football Fanclubs
ProFans
Unser Fußball – Initiativgruppe
Unsere Kurve
Zukunft Profifußball

22. April 2021

Nein zur Reform der europäischen Klubwettbewerbe!

Berlin, den 29.03.2021

Am Mittwoch vor Ostern will das UEFA-Exekutivkommittee über eine neue Reform der europäischen Klubwettbewerbe ab 2024 entscheiden. Bereits im Vorfeld ist klar geworden, dass die beabsichtigten Änderungen ein Schlag ins Gesicht der Fans sind, und zwar europaweit:

Durch die Erhöhung der Zahl der Spieltage wird der Termindruck auf die nationalen Ligen noch weiter erhöht. Die Folge wird sein, dass noch mehr Spiele fanunfreundliche Anstoßzeiten erhalten werden und dass es mehr englische Wochen geben wird.

Mit einer nahezu verdoppelten Spielanzahl in der Champions-League soll die Geldmaschinerie noch viel ertragreicher laufen als bisher. Die äußerst ungleichmäßige Verteilung des Geldes wird zur Folge haben, dass sich einige wenige Vereine noch stärker abheben und dass die nationalen Ligen geschwächt werden und sportlich immer weniger Spannung erzeugen. Der Aufstieg von Vereinen aus der zweiten Reihe in europäische Höhen wird nur noch mit der Abhängigkeit von massivem finanziellem Engagement fußballfremder Investoren zu erkaufen sein.

Mit der Reform wird nicht die breitere Beteiligung der Fußballnationen am Spitzenwettkampf gefördert, sondern im Gegenteil die noch stärkere Abschottung einer geschlossenen Elite. Zum Teil soll sogar nicht mehr die aktuelle sportliche Leistung der Maßstab für die Teilnahme am Wettbewerb sein. Stattdessen soll es für Vereine mit hohem finanziellem Investment ein Auffangnetz geben. Unterm Strich wird damit jedoch das wirtschaftliche Hasardspiel noch angeheizt werden, die Abhängigkeit wird sich vergrößern.

„Alle sagen, wir vermissen so schmerzlich die Fans. Und dann wird etwas beschlossen, was völlig konträr zu dem steht, was die Fans sich wünschen“, charakterisiert Nicolai Mäurer von ProFans den eklatanten Widerspruch. Jörn Brauer fragt: „Wo bleibt die Einsicht vom Beginn der Pandemie, sich etwas zurückzunehmen und solide Arbeit zu fördern statt immer irrwitzigere Einnahmen der ganz Großen?“ Pressesprecher Sig Zelt ergänzt: „Selbst die aktiven Fans von Vereinen wie Bayern und BVB lehnen die Pläne ab. Für wen wird eigentlich der Profifußball gespielt, wenn nicht für die Fans?“

Statt verdeckter Ermittler in den Stadien fordert ProFans, dass der Verband die Interessen der Fans und Mitglieder vertritt.

ProFans ruft Dr. Rainer Koch auf: Stimmen Sie am Mittwoch gegen die Pläne der UEFA!

ProFans, im März 2021

ProFans fordert DFB zum Verzicht auf die WM 2022 auf

Berlin, den 08.03.2021

Nicht erst seit gestern erreichen uns Meldungen über menschenverachtende Bedingungen bei der Errichtung der WM-Infrastruktur in Katar. Schon vor sechs Jahren wies die IG Bauen-Agrar-Umwelt auf die hochgradig diskriminierenden und gefährlichen Verhältnisse für Arbeitsmigranten in Katar hin. Diese müssten ihre extrem kargen Löhne nicht nur unter ausbeuterischen Bedingungen und mangelnder Arbeitssicherheit verdienen, nicht nur in unwürdigen Unterkünften leben, sondern seien zudem faktisch rechtlos. So dürfen sie demnach ohne Genehmigung des Arbeitgebers nicht einmal in ihre Heimat zurückkehren.

Inzwischen melden Medien die Zahl von 6.700 toten Arbeitsmigranten auf den WM-Baustellen in Katar per Stand Mitte Februar. Alle sieben Stunden stirbt dort ein Arbeiter vom indischen Subkontinent. Es ist zu spät, diese Leben zu retten. Aber wir können nicht darüber hinwegsehen.

Der Sport verbindet Nationen, unabhängig von Politik, Weltanschauung und Religion. Es ist wichtig, diese Verbindungen zu erhalten und immer wieder zu erneuern. Aber hier geht es nicht um Fragen von Politik und Kultur, sondern hier geht es um Menschlichkeit, um das Recht auf Leben.

Wir wissen sehr wohl, dass viele Fußballfreunde den Spielen der deutschen Nationalmannschaft entgegenfiebern. Uns ist ebenso bewusst, dass eine Weltmeisterschaft für die Sportler der Höhepunkt ihrer Laufbahn schlechthin ist. Wir sind Fußballfans und lieben diesen Sport. Aber es gibt nichts, was es rechtfertigen könnte, die Menschenrechtsverletzungen in Katar hinzunehmen, ja, gar durch die Teilnahme am Turnier wissentlich, billigend zu unterstützen. Die Stimmen werden lauter, und ProFans stellt sich ganz klar an die Seite derer, die einen Boykott dieser Weltmeisterschaft für unumgänglich halten.

Wir fordern den DFB auf, die Teilnahme an der WM in Katar abzusagen.

Ein rauschendes Fußballfest auf den Gräbern von Tausenden Arbeitsmigranten – daran teilzuhaben, wäre das Ende von Ethik und Würde. Mit Entsetzen wenden wir uns davon ab. Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Fußball ist auch: gesellschaftliche und soziale Verantwortung. Wir sind sicher, andere werden dem Beispiel Deutschlands folgen. Will der DFB noch einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit behalten, muss er seine Teilnahme an diesem Turnier absagen, und zwar jetzt!

ProFans, im März 2021